Zeitrechnung nach Pippi Langstrumpf

Wenn ein Kind auf die Welt kommt wird unser Leben wie wir es bisher kannten zack mit einem großem nassen Tafelschwamm weggewischt, der Tafelwischer hat zwar seine Aufgabe meist nicht ganz so ernst genommen, so dass man noch verschwommen erkennen kann wie es war daaamals, alleine oder zu 2., aber so wirklich deutlich erkennt man das Bild nicht mehr. Klar, wie alle Mamas und Papas kann ich mir ein Leben ohne unsere EarlyB nicht mehr vorstellen, plötzlich waren wir zu 3. und mein Hirn sagte mir „Hey, das ist doch die EarlyB, die kennst du in und auswendig, sie gehört zu dir und hat auch schon immer zu dir gehört, es war nie anders und es wird auch nicht mehr anders sein. Punkt“. Und klar es ändert sich viel mit so einem kleinen Vögelchen im Leben. Aber eine schräge Sache ist mir besonders aufgefallen, das Vögelchen änderte meine Wahrnehmung von Zeit. Die Zeit hat nun so ganz verschiedene Rechen-und Zählweisen, je nach Situation, Stimmung und Tageszeit, einerseits ist da das Phänomen, welches die Zeit nur so an mir vorbeirasen lässt, da gilt dann, ganz im Sinne von 2×3 macht 4, ihr widededewisst schon wie ichs meine, folgende Rechnung 1Minute plus 2 Minuten = 10 Sekunden und zack ist der schöne Moment, der schöne Tag auch schon wieder vorbei… Das hört man ja von allen Eltern, die Kinder sind gerade geboren, da gehen sie schon in den Kindergart….ach nee, sie haben schon ihren Schulabschluss und oh einen neuen Freund, äh Ehemann.
Aber für mich rast die Zeit nicht immer schnell vorbei, die schönen und aktiven Zeiten natürlich schon, die in denen EarlyB und ich durchs Laub rennen, auf dem Bett rumkugeln und seit neustem zusammen tanzen, sie hat schon einen wahnsinnigen Hüftschwung, die Kleine, da kann ich steifes Brett nicht mithalten. Ansonsten habe ich aber auch diese tagtäglichen Kaugummizeiten, die die Fähigkeit haben sich eeee-eee-eewig auszudehnen wie Hochleistungs-Hubbabubba. Da wird dann aus einer Sekunde, eine Minute, aus der Minute eine Stunde, ich vergleiche die Armbanduhr mit der Handyuhr, nein sie ist nicht kaputt… Die erste Kaugummizeit des Tages haben wir relativ schnell erreicht, sie beginnt nach dem Frühstück. Da EarlyB ihrem Namen immer alle Ehre macht und für uns um Punkt 6 den Wecker spielt (ich vermisse da doch ein wenig meinen nervigen Piepsweckerton von früher (ihr wisst schon diese verschwommen Zeit von damals) der ließ mich nicht so abrupt in unter einer Sekunde aus dem Tiefschlaf in den Stand springen wie EarlyBs Babyweinen… naja nichts kann das, diese Macht hat wirklich nur B).
Nach dem Frühstück machen wir nämlich für Papa Winkewinke, die Tür geht zu und es ist gerade mal s i e b e n Uhr! Als ich noch gearbeitet habe, hat um 7 Uhr erst mein Piepswecker geklingelt, jetzt bin ich schon fertig mit dem Frühstück……. Tja,da stehe ich dann meistens erstmal ein bisschen bedröbbelt in der Gegend herum, kuck trotz bereits 3 Tassen Kaffee verschlafen was B so macht, sie fängt meistens schon an ihre Duplokisten auszuleeren und denke jeden Tag „Puh, was machen wir denn jetzt den gaaaanzen lieben langen Tag, die nächsten z w ö l f Stunden!!“ Dabei gibt es ja immer genug zu tun, aber so müde und verpennt wie ich morgens bin, kommt mir erstmal nichts davon in den Sinn. Eigentlich sollte ich auch glücklich sein, so viel Zeit mit meiner ersten und bisher einzigen und einzigartig tollen Wunschkind-Tochter zu verbringen, aber auch das kommt mir noch nicht in den Sinn. Im Schneckentempo ziehe ich mich an, alles dauert ewig, mache mich halbwegs menschenwürdig und dann beginnt sich der Kaugummi langsam zu festigen und der Tag und die Zeit nimmt an Fahrt auf. (Es gibt auch Tage an denen der Kaugummi gar nicht aufhört sich zu dehnen, das merkt man meist daran, dass ich es nicht mal schaffe die Schlafanzughose gegen eine Jeans oder wenigstens eine saubere Jogginghose auszutauschen und hat meistens etwas mit komplett durchzechten Nächten, Zähnen, Schnupfen und ähnlichem zu tun, aber darüber will ich jetzt nicht schreiben).
Wenn ich also mit gebürsteten Haaren endlich die Bühne des Tages betrete, da ist dann meist schon 9 Uhr. Was schon 9Uhr? Ja! Denn zwischendrin braucht B immer noch die ein oder andere Windel…wir haben meistens 3 Windeln vor 9 :-), dann steht sie mit im Bad und räumt etwas aus, will auf den Arm, möchte mir etwas zeigen, hat Durst, möchte selbst versuchen mir die Socken anzuziehen, will ihre Gummistiefel anziehen…wie es eben so ist. Also dann ist es 9 und die nächsten 2 Stunden sind ratzfatz vorbei. Mir fällt dann ja doch plötzlich ganz viel ein, was ich erledigen möchte, aber ich binde B in meinen Haushaltskram meist mit ein, denn ich möchte ja liebend gerne Zeit mit ihr verbringen und es macht einfach mehr Spaß wenn B mir die Wäsche anreicht, damit ich sie aufhängen kann und sie mich stolz wie Bolle angrinst, wenn ich bei jedem Kleidungsstück „Danke, das ist aber lieb“ sage. Aber schnell gehen die Dinge dadurch natürlich nicht, also schaffen wir wenn es hoch kommt morgens Wäscheaufzuhängen und den Frühstückstisch abzuräumen. Zack, dann ist es 11 Uhr und somit Bs Mittagschlafzeit und klar, dann zeigt die Zeit erst richtig was rasen heißt. Denn JETZT habe ich Zeit, Zeit für MICH, ganz ALLEINE, ich könnte so vieles tun… Freunden schreiben oder telefonieren, ein Buch lesen oder eine Zeitschrift, mal in Ruhe essen, Sport machen (nein, das habe ich schon lange von der Liste gestrichen, mache ich ja eh nicht) und seit neustem steht noch der Blog und/oder Instagram auf der Liste oder oder ja ich könnte auch schlafen. Meist läuft es dann so ab, dass ich kurz aufgeregt ob der ganzen Möglichkeiten im Kreis laufe, danach kurz im Stehen etwas esse, mit Anlauf aufs Sofa hüpfe, kurz auf dem Handy herumtippe und mir dann doch meine Augen zu fallen. Wenn ich Glück habe, reicht es dann noch für ein halbstündiges Nickerchen.
Nachmittags ist B-Zeit, da möchte ich mit ihr Spielen und Zeit nur für sie haben, am liebsten den ganzen Nachmittag aber mindestens eine Stunde so richtig. Das nehme ich mir zumindest vor. Meistens machen wir das auch ganz gut und haben echt Spaß zusammen, wenn gutes Wetter ist gehen wir viel zusammen raus und da hat sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit (außer ich zücke mein Handy für ein Foto der Video). An Regentagen spielen wir auch viel zusammen oder gehen schwimmen, aber da schleicht es sich doch öfters ein, dass ich hier und da doch nochmal etwas zum Erledigen finde. Macht ja auch Sinn, irgendwie muss der Haushaltskram ja erledigt werden. Aber an manchen Nachmittagen nehmen diese kleinen Erledigungen einfach Überhand und für B und mich bleibt plötzlich doch kaum noch Zeit zusammen zu spielen. Da ist also wieder schwarz auf weiß ein Grund für ein minimalistischer Leben. Denn genau diese Zeit am Nachmittag wird von der Vielzahl dieser „Dinge“ aufgesaugt. Dies und das muss weggeräumt werden, ist dreckig, es fehlt ein Teil, das Geld für eine weitere Anschaffung muss überwiesen werden oder nochmal schnell bei Amazon etwas bestellt werden. Am Nachmittag selbst fällt mir das meist gar nicht so auf, erst wenn die nächste Kaugummizeit ansteht, nämlich um 17Uhr, wenn B schon unsäglich müde ist, es aber noch ganze 2 Stunden bis zur Bettzeit sind, sie beim laufen schon hinfällt weil ihr die Kraft fehlt und sie wegen jeder Kleinigkeit weint und sie sich am liebsten mir an den hals binden möchte. Dann fällt mich rückblickend auf wie oft ich „Nein, B, jetzt nicht, spiel mal alleine, Mama kann gerade nicht.“ gesagt habe und bekomme ein unsägliches schlechtes Gewissen. Nicht unbedingt, weil B mal ein Nachmittag alleine spielen musste, ich finde eigentlich sogar, dass es wichtig ist, dass sie lernt sich auch alleine zu beschäftigen. Mein schlechtes Gewissen gilt eher der Zukunfts-MamaB, die keine einjährige B mehr hat und die Zeit bestimmt ab und zu gerne zurückdrehen würde, um nochmal einen normalen Mittwoch Nachmittag mit einer so minikleinen Variante von B verbringen zu können, die kaum Haare auf dem Kopf hat, erst 4 Wörter spricht und einem mit ausgestreckten Armen entgegen rennt und Bussis gibt, am liebsten auf die Nase.
Momentan macht mir das Minimalismusvorhaben die Sache allerdings noch nicht einfacher, alles auszumisten, zu verkaufen, zu spenden, zur Altkleidersammlung zu bringen frisst momentan viel Zeit. Aber ich werde versuchen in der Hinsicht auf die Bremse zu treten und es sehr sehr locker zu nehmen, jedes einzelne noch so kleine Teil ist ein Erfolg. Gestern habe ich immerhin 2 alte Mascaras und anderen Kleinkram aus dem Bad entsorgt. Mensch, das ist doch toll… immer schön positiv bleiben.
Wenn ich mal wieder so einen „B ich habe jetzt keine Zeit“-Tag hatte, mache ich meist noch eine letzte Aktion am Tag, die uns beiden Spaß macht. Dann gehen wir zusammen in die Badewanne, mit all ihren lustigen Badetieren (auch viel zu viele). Danach gehen wir dann doch glücklich und gut duftend ins Bett.

Tja und dann gibt es Tage wie heute, an denen ich auf den Kalender schaue, nachdem wir dank Schnupfen, Husten und Eckzähnen eigentlich 2 richtig zähe Kaugummiwochen hinter uns haben und merke „Mein kleiner Vogel wird heute 17 Monate alt“ – wo ist die Zeit nur hin???

In diesem Sinne 2×3 =4,
bis zum nächsten Mal,

eure MamaBeeeee

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